Verein: Make Your Town Queer
Patrick

Patrick

homosexuell

Pronomen: er / ihm

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass es schon im antiken Athen die gleichgeschlechtliche Liebe gegeben hat. Viele Gedichte, Kunstobjekte etc. thematisieren die sexuelle Beziehung unter Männern. Viele Historiker gehen deshalb davon aus, dass diese Liebe gesellschaftlich akzeptiert war.


Je mehr das Christentum an Einfluss gewann, desto mehr wurden Homosexuelle in Europa an den gesellschaftlichen Rand gedrängt. Im deutschsprachigen Raum galten im Mittelalter gleichgeschlechtliche Sexualbeziehungen als perverse Sodomie, die als widernatürlich angesehen wurde. Oft wurden Homosexuelle damals wegen sogenannter Unzucht zum Scheiterhaufen verurteilt.

Diese feindliche Einstellung änderte sich im Deutschen Kaiserreich wenig. Am 1. Januar 1872 trat mit dem Reichsstrafgesetzbuch auch der Paragraf 175 in Kraft. Dieser stellte erstmals für das gesamte Land homosexuelle Handlungen unter Strafe. Infolgedessen gründeten sich erstmals Homosexuellenbewegungen, um gegen diese Diskriminierung vorzugehen. Besonders zu erwähnen ist hier Magnus Hirschfeld, der in aller Öffentlichkeit sich mit Vehemenz gegen die Ungerechtigkeit, die durch den Paragraf 175 entstand, aussprach. Er postulierte, dass es sich bei dem Verlangen nach gleichgeschlechtlicher Liebe nicht etwa um eine Krankheit handele, sondern vielmehr um eine angeborene sexuelle Neigung.


Die radikale Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 brachte der Homosexuellenbewegung ein schnelles Ende. Nach der NS-Ideologie trägt gleichgeschlechtlicher Sex nicht der Fortpflanzung bei und sei als unzüchtig zu betrachten und mit aller Gewalt zu unterdrücken. So wurde der Paragraf 175 im Jahr 1935 weiter verschärft, nun wurden sämtliche homosexuelle Handlungen mit Freiheitsentzug bestraft. Ein Kuss oder sogar ein Blickkontakt konnte so zu fünf Jahren Freiheitsentzug führen.
1940 ordnete der damalige Leiter der Schutzstaffel, Heinrich Himmler, die Verschleppung aller verurteilten Homosexuellen in Konzentrationslager an. Allein eine "freiwillige" Kastration konnte diese Maßnahme verhindern. Ab dem Jahre 1942 wurden die Zwangskastrationen im KZ selbst durchgeführt. Der rosa Winkel galt als Erkennungszeichen der Homosexuellen, er wurde auf die KZ-Kleidung aufgenäht.


Es wird geschätzt, dass ca. 10.000 Homosexuelle zu Strafen im KZ und bis zu 100.000 Homosexuelle zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Viele tausende überlebten diesen Terror nicht.

Befreite Schwule aus den KZ, mussten ihre Strafe nach Paragraf 175 weiterhin im Gefängnis absitzen. Auch in den Nachkriegsjahren kam es weiterhin zu Unterdrückung von Homosexuellen.

1969 kam es zu den berühmten Stonewall-Aufständen in New York. Als die Polizei einmal mehr die Schwulenbar Stonewall-Inn stürmen wollte, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Besuchern, die sich zu tagelangen Straßenkämpfen ausweiteten. In diesem Jahr lockerte sich auch der Paragraf 175 in Deutschland. Dieser wurde in den nachfolgenden Jahren bis zur Abschaffung 1994 schrittweise gelockert.


Heute ist eine Freiheitsstrafe aufgrund von gleichgeschlechtlicher Liebe in Deutschland unvorstellbar.
Der Fortschritt, den die LGBTIQA*-Bewegung erreicht hat, ist unverkennbar, aber noch nicht abgeschlossen.

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